Ein Käffchen mit meiner besten Freundin

Diese Dinge treiben mich in den Wahnsinn und deshalb brauche ich ______, damit es nicht (nochmal) soweit kommt!

Das ist in diesem Jahr das Thema von Natalies jährlich wiederkehrender „Hey, starke Mama“-Blogparade rund um den Muttertag. Was mich in den Wahnsinn treibt? Tipps. Tipps von Menschen, die ich nicht kenne. Tipps von Menschen, die es möglicherweise sogar gut meinen, die ich aber dennoch nicht um ihren Beitrag gebeten habe. Tipps, die von Dritten irgendwie an mich herangetragen werden.

Es braucht (m)ein Dorf

Ich habe das große Glück, inzwischen viele Mütter kennengelernt zu haben, die kurz vor oder kurz nach mir Kinder bekommen haben. Was mir dabei auffällt, ist, wie wertschätzend wir untereinander miteinander umgehen. Vielleicht, weil durch die offenbar niemals enden wollende Pandemie so viele Angebote weggefallen sind? Vielleicht aber auch, weil wir von Gott und der Welt Tipps ungefragt aufs Brot geschmiert bekommen. Spannend fand ich – gerade als Little Miss Coffee2Stay noch ganz klein war – wie sehr diese Beziehungen zwischen Müttern und werdenden Müttern von einem Geben und Nehmen geprägt waren und sind. Bei mir war das wie ein Kreislauf: Die, die gerade ihr Kind bekommen hatten, haben ihr Wissen (das was man nicht in Film, Funk, Fernsehen und den vielen vielen Ratgebern lernt) an die Neu-Mamas weitergegeben. Wir Neu-Mamas haben unsererseits die um Rat und Tipps gebeten, die uns ein Stückchen voraus waren. Für mich ist das die moderne Variante von „es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“. Und die Einwohnerinnen suche ich mir selbst aus und mache es zu meinem Dorf.

Weniger sollen müssen

Du solltest dies, Du solltest jenes. Nö. Bevor ich Mutter wurde, habe ich mir nicht vorstellen können, wer sich selbst alles ein Mitspracherecht einräumt.

Mich haben Menschen an der Kasse, an der Fleischtheke und auf der Straße angesprochen. Warum? Woher nehmen sie das Recht und das unglaubliche Selbstbewusstsein, mein Baby besser zu kennen als ich? Ich weiß ziemlich gut, ob sie Hunger hat oder zahnt, denn ich bin Tag und Nacht bei ihr. Und Wildfremde, Dahergelaufene mischen sich ein?

Wenn ich mit anderen Mamas unterwegs bin, tauschen wir uns natürlich auch aus. Aber eben nicht „Du musst XYZ machen“ sondern „oh das kenne ich, wir haben ABC probiert und fanden das gut“. Und dann kann die andere selbst entscheiden, ob das was für sie ist oder nicht. Vor zwei Monaten wurde meine Tochter bei einem Spaziergang im Kinderwagen immer unruhiger, setzte sich auf und quengelte. Eine Freundin schlug vor, dass wir die Kinderwagen tauschen. Ihr Sohn ist etwas älter und saß schon im Sportsitz. Gesagt getan, Kind glücklich und noch am selben Abend habe ich zu Hause unseren Wagen umgebaut. So geht das.

Meine beste Freundin, der Telefonjoker

Ich telefoniere fast täglich mit meiner besten Freundin – da sie in Hamburg und damit fast 700 km entfernt wohnt, bleiben wir so auf dem neuesten Stand. Wenn ich Beratung brauche (Stichwort Wickelrucksack), es gerade anstrengend ist (Stichwort erste Zähne) oder ich einfach Bestätigung brauche (Stichwort Beikost), ist sie mein Telefonjoker. Sie ist Mutter meines Patenmädchens und neben meiner Mutter meine Nummer 1 in Kinderwissen. Auf sie kann ich mich immer und das auch zu jeder Tages- und Nachtzeit verlassen. Sie ist ehrlich und direkt, verurteilt mich nie, sie weiß immer Rat und mit ihr lache ich unglaublich viel – und das seit 17 Jahren.

Ungefragte Tipps treiben mich in den Wahnsinn. Und deshalb brauche ich Kaffee und meine beste Freundin, damit es nicht soweit kommt.

Kennst Du auch Situationen, in denen Du von der Seite angequatscht wirst? Hast Du eine schlagfertige Antwort parat? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

5 Gedanken zu “Ein Käffchen mit meiner besten Freundin

  1. Liebe Carina,
    Du machst es genau richtig.. denn sonst wird man verrückt und das Kind gleich mit :)).
    Darum weiter so.
    Wir verlernen, gerade auch bei den Mäusen, immer mehr, auf unseren Bauch zu hören, weil es vermeintlich für alles einen Ratgeber gibt.
    Alles Liebe
    Nicole

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  2. Liebe Carina, vielen lieben Dank für deinen Beitrag zur Blogparade!
    Ja, ich kenne diese Verhaltensweisen nur zu gut. Meine Konter sind fast immer als Frage formuliert. Den meisten stößt man damit freundlich vor den Kopf und erreicht im Grunde das Ziel: Erst denken, dann reden. 😉

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  3. Oh, mir ist diese Einmischung gerade in Deutschland auch sehr aufgefallen. Als insbesonders unangenehm habe ich es immer empfunden, wenn unbekannte Mitmenschen direkt das Baby/ Kind ansprechen und dahinter einen Vorwurf an die Eltern verstecken. “ Na, hat deine Mama dir bei diesen Temperaturen keine Handschuhe angezogen, dann würde ich auch schreien. Beschwere dich ruhig ordentlich!“ Gottseidank habe ich hier in Schweden nicht die gleichen Erfahrungen machen müssen, hier sind die Menschen doch um einiges zurückhaltender und kinderfreundlicher. Euch noch alles Gute! Halte dich an deine Mama-Freunde und deinen Kaffee!

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  4. Guten Morgen liebe Carina,
    ich kenne das auch, vorwiegend von älteren Herrschaften. Wir sind statt mit Kinderwagen immer viel mit Trage unterwegs gewesen, das gefiel ihnen oft gut – und auch jetzt, mit Trageruckssack oder „Kraxe“, wie man früher gesagt hat, ziehen wir recht viel Aufmerksamkeit auf uns. Die ist meist positiv, die älteren Leute finden das spannend. Oft genug muss ich mir aber (dann von jüngeren Menschen) anhören, dass es bestimmt schlecht für den Rücken sei und ob ich denn nicht quasi zusammenbreche, es mal Zeit zum Laufen wäre, etc. Ein schrecklich schlecht gelaunter Kassierer im Biomarkt hat mir schon Bandscheibenprobleme prognostiziert … er sei ja auch körperlich ein Wrack und wenn er noch fit wäre, müsse er bestimmt nicht an der Kasse arbeiten … oje! Ich möchte mal frech behaupten, dass sein körperlicher Zustand vermutlich nicht vom Tragen eines Kindes kommt. Ich sage dann immer, dass ich es als Training ansehe, aber ärgere mich schon lang nicht mehr darüber. Da hab ich ja nichts von.
    Ganz liebe Grüße aus Berlin
    Caro

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  5. Pingback: Zusammenfassung der Blogparade 2022 » Starke Mamas

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