Rezension: Ein Mann namens Ove

Bücher sind das beste Geschenk

Im Sommer brachte mein Mann mir „A man called Ove“ von Fredrik Backman mit. Es war die perfekte Wochenendlektüre. Seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat mich kein Roman mehr so intensiv berührt wie dieser. Ich habe geschmunzelt, laut gelacht und auch fette Krokodilstränen geweint. Und als ich das Buch schloss, war ich zunächst etwas verloren. Und da ich es nicht besser sagen kann, zitiere ich Chaima, eine andere Leserin auf Goodreads:

„Als ich mit dem Lesen dieses Buches fertig war, schloss ich es sanft […]. Es fiel mir schwer, das Gefühl in meiner Brust sofort zu erkennen: eine jubelnde, überwältigende Freude, die schnell an der Leine eines noch beginnenden Kummers zurückgerissen wurde, eines Kummers, der noch nicht eingedrungen war, noch nicht.“

Der komische Kauz von nebenan

Backman hat eine ungewöhnliche Hauptfigur gewählt: Ove ist ein genervter, schlecht gelaunter alter Mann. Er hat allen Grund, schlecht gelaunt zu sein: seine Frau ist gestorben, er hat seine Arbeit verloren und auch sonst ist nichts mehr so wie früher. Seine Nachbarn halten ihn für verbittert, es wirkt, als habe allein seine Frau ihn verstanden, als habe sie ihn zu einem besseren Menschen gemacht, als sei sie die einzige gewesen, bei der er ganz er selbst sein konnte.

Ove ist verzweifelt und beschließt, sich das Leben zu nehmen. Doch seine neuen Nachbarn stören ihn dabei. Auf den ersten Blick klingt das entsetzlich und nicht nach einem Buch für die Winterzeit, wenn ohnehin schon alles düster und grau ist. Und doch: „A man called Ove“ ist ein Geschenk, ein literarischer Schatz. Backman beschreibt Ove als einen alten Mann, wie es sie hundertfach gibt: Früher war alles besser, die Jugend heutzutage und an Regeln hält sich auch niemand mehr. Aber Backman gewährt uns Lesern einen Einblick in den Ove hinter der Haustür. Er erklärt, wie der komische Kauz von nebenan so geworden ist, dass er täglich auf Patrouille durch die Nachbarschaft geht. Und das ist teilweise unglaublich witzig.Das Buch beginnt damit, dass Ove einem Computer kaufen will. Er geht in einen Apple-Store und das Unheil nimmt seinen Lauf (kleiner Exkurs: Ich komme mit Apple-Produkten überhaupt nicht klar). Statt eines Computers schaut er sich ein „O-Pad“ an, wie er es nennt. Auf keinen Fall will er einen Laptop haben, das sei ja kein Computer. Als er lernt, dass das Tablet keine Tastatur hat, ist es vorbei. Ich sah mich ziemlich konkret in dieser Szene in der Haut des 59-Jährigen.

Es muss doch Regeln geben

In Oves Welt gibt es Regeln. Er ist Schwede und ziemlich stolz darauf. Er fährt einen Saab und hält so gar nichts von BMW und anderen Automarken – selbst Volvo.

Ove vermittelt streckenweise den Eindruck, als glaube er, dass die ganze Welt gegen ihn sei. Und das ist auch nicht gänzlich unbegründet. Doch es bringt herrliche Szenen mit sich – immerhin geht es (ihm) um das Prinzip. Und wer mit einem Coupon zwei Pflanzen zu 50 Kronen kaufen kann, sollte doch eine Pflanze für 25 Kronen bekommen. Oder? Natürlich nicht.

Ove [is] always arguing about everything. But Ove isn’t bloody arguing. He just thinks right is right. Is that such an unreasonable attitude to life? S. 33

Fredrik Backman webt Oves Geschichte liebevoll aus Tragik und Komik gleichermaßen. Und das mit einer Hingabe und Empathie, die herzerwärmend ist. Einfühlsam lässt er eine dritte Person die Geschichte erzählen. Ein Erzähler, der Ove anders sieht als all die Nachbarn und früheren Freunde, die in ihm nur einen verbitterten, verhärmten Mann sehen. Ein Erzähler, der hinter die Fassade blickt. Und genau das ist für mich eine der Kernbotschaften dieses Romans: Verurteile andere nicht vorschnell, ohne ihre Geschichte zu kennen.

Mein Fazit

„A man called Ove“ ist eine herzerwärmende, bewegende Geschichte, geschrieben mit viel Einfühlungsvermögen. Wunderbare Lektüre für die, die hinter die Fassade des ersten Eindrucks anderer schauen wollen. Und weil das Buch mit so viel Liebe geschrieben ist und Themen wie Liebe, Freundschaft und Familie behandelt, ist es für mich ein Buch, das ich Dir virtuell unter den Weihnachtsbaum lege.

Dir wirst es mögen, wenn

  • Du ein empathischer Leser bist
  • Du Schweden und die Schweden liebst
  • für Dich Tragik und Komik gleichermaßen zum Leben gehören

Ich gebe „Ein Mann namens Ove“ fünf von fünf Saabs.

2 Gedanken zu “Rezension: Ein Mann namens Ove

  1. Liebe Carina,
    man spürt diese Liebe, die du für dieses Buch empfindest und das finde ich total schön. Und ja, manchmal muss man einfach hinter die Fassade schauen.
    Hab einen schönen Nikolaustag.
    Liebe Grüße
    Nicole

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