Rezension: Zu Gast auf Sylt

Rezension und Verlinkungen unbezahlt und aus freien Stücken – in diesen Tagen will ich Dir (und mir) das mentale Reisen so leicht wie möglich machen.

Ein neues Kochbuch in der ersten Reihe

Als mein Mann und ich im Februar in unser neues Heim einzogen, freuten wir uns riesig über „so viel Platz für Kochbücher“. Nun ja, ein paar Monate später und die Kochbücher stehen schon in zwei Reihen. Du kennst das. Schon im Januar schlich ich in der örtlichen Buchhandlung um „Zu Gast auf Sylt“, ein Kochbuch von Regina Stahl mit Fotos von Brita Sönnichsen, herum. Das perfekte Werk für den Traum vom Urlaub auf Sylt. Mein inneres erwachsenes ich gewann jedoch zunächst und ich verließ die Buchhandlung ohne Kochbuch.

Kochlöffel statt Koffer

Meine beste Freundin und ich lieben Sylt. Ich habe als Kind viele Sommerurlaube dort verbracht und denke gerne an Reetdach, Klinker und Dünenwanderung – immer mit einer steifen Brise um die Nase. Im Sommer 2017 waren wir im Mädelsurlaub in Westerland, der letzte gemeinsame Ausflug vor der Geburt ihrer Tochter, meines Patenmädchens. Und wenn das Leben gerade arg schwer ist, träumen wir uns in den Norden zurück, zu den Dünen, zu Gosch, den Shanti-Chören und den Strandkörben. Fest entschlossen, mir Sylt zumindest kulinarisch am Pfingstwochenende nach Hause zu holen, ging ich die Woche zuvor in die Buchhandlung. „Das Sylt-Kochbuch“, wie ich es im Kopf hatte, war nicht mehr in der Auslage. Es war aber auch nicht im Regal. An der Information lernte ich, dass das Buch zurückgeschickt worden war. Nach fast zwei Jahren im Laden mussten sie es nun für mich bestellen – da musste wohl erst die Norddeutsche kommen…

Wie schön kann ein Buch sein?

Das riesige (29 mal 26 Zentimeter) Werk ist mit Kacheln verziert, die sich durch die geprägte Buchdecke auch so anfühlen und im vorderen Einband ist Sand – also zumindest Sandlack. Auf den ersten Blick wirkte das Kochbuch inhaltlich ein bisschen wie Werbung, führt doch das Buch von Hörnum im Süden bis zum Ellenbogen im Norden einmal entlang der Insel und macht unterwegs Halt in den Küchen unterschiedlichster Restaurants. Doch schnell überzeugte mich das Werk mit dem Untertitel „Sehnsuchtsorte, Originalrezepte und Geheimtipps“. Einerseits mit wirklich gut umsetzbaren Rezepten, andererseits mit großartigen Fotos von Speisen, Restaurants und Landschaft.

 

 

Jakobsmuscheln wie in List

Unser erster Versuch waren Spaghetti mit Gemüsestreifen und Jakobsmuscheln wie in Dittmeyer’s Austern-Compagnie. Vermutlich ein Ort, den ich aus freien Stücken nicht ausgesucht hätte, denn so sehr ich mich in den letzten Jahren an Fisch und Co herangetastet habe, so wenig mag ich Austern. Jakobsmuscheln sind hingegen völlig ok. Ein ganz unkomliziertes Gericht, das durch die Jakobsmuscheln einen Hauch Luxus mitbringt.

 

Filet vom Husumer Rind

Das Rezept nach Vorbild von Henry’s in Kampen verlangte nach Filet vom Husumer Rind. Ich habe nicht versucht, in Württemberg ein Husumer Rinderfilet zu bekommen. Ein Württemberger Filet vom Rind gab es beim örtlichen Metzger – wenn auch kein Centrecut. Dazu eine hausgemachte Sauce Hollandaise (deren Verwendung sich mir jedoch ehrlich gesagt weder im Rezept noch auf dem dortigen Foto oder auf meinem Teller erschloss), geschmorte Zucchini und Tomate und Süßkartoffel-Wedges aus dem Backofen. Dennoch: Es war ein Gedicht.

Rinderfilet mit geschmorter Zucchini und Tomate und Süßkartoffel-Wedges

Rinderfilet mit geschmorter Zucchini und Tomate und Süßkartoffel-Wedges

Und weil es einfach ein so wunderbares Stück Fleisch war, hier noch ein Bild vom Anschnitt – auch wenn es dem Geschmack in keinster Weise gerecht wird:

 

Perlhuhnbrust auf Currylinsen

Das französische Perlhuhn, das Tappe’s in Kampen serviert, mussten wir ersetzen. Und so haben wir kurzerhand die Kikok-Maishühnchen ausprobiert. Statt Fischfond gab’s Geflügelfond. Das Rezept brauchte durchaus Geduld, allein der Curryfond für die Linsen köchelte knapp eine Stunde. Aber es war absolut köstlich.

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Maishühnchen auf Currylinsen

Fazit

Wer nicht unbedingt in Norddeutschland wohnt, könnte Schwierigkeiten haben, die lokalen Zutaten zu bekommen. Das war beim Testkochen aber kein Problem, auch in Baden-Württemberg gab es köstlichen Ersatz. Die Fotografien von Brita Sönnichsen ziehen sich durch das ganze Buch. Mal von den vorgestellten Restaurants, mal von den Gerichten und mal von der herrlichen Sylter Landschaft. In ihren Texten stellt Regina Stahl nicht nur die Rezepte vor, sondern bettet sie in die Restaurants und Hotels ein und gibt regionalen Kontext.

Das Buch ist für 39,95 Euro sicher kein Schnäppchen. Aber wer gerade enormes Reisefieber hat und nicht nur ein Kochbuch sucht, liegt hier genau richtig.

Du wirst es mögen, wenn Du

  • Sylt liebst
  • Stunden mit einem wunderschön gestalteten Buch verbringen kannst
  • gerne über den Tellerrand gen Norden schaust
  • nicht nur schnelle und einfache Gerichte kochst

Ich gebe „Zu Gast auf Sylt“ 5 von 5 Kochlöffeln.

 

 

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