Ein Käffchen mit: Patrioten

Tee oder Kaffee?

Heute ist der 4th of July, der US-amerikanische Unabhängigkeitstag. Das nehme ich zum Anlass, Dir bei einer großen Tasse Kaffee vom patriotischen Heißgetränk zu erzählen.

Mitte des 17. Jahrhundert kam Kaffee nach New Amsterdam (heute New York) und wurde in den Kolonien Nordamerikas populär. 1670 erhielt Dorothy Jones aus Boston eine Lizenz zum Verkauf von Kaffee und wurde so zur ersten amerikanischen Kaffeehändlerin. Und obwohl schnell etliche Kaffeehäuser in der Neuen Welt entstanden, blieb Tee das bevorzugte Getränk. Das sollte sich am 16. Dezember 1773 schlagartig ändern.
Wenn Du die Augen schließt, siehst Du Griffin’s Wharf in Boston vor Dir. Es ist frisch, dafür ist die Stimmung aufgeheizt. Eine Masse aus hunderten aufgebrachten, wütenden Menschen wirft insgesamt 342 Kisten Tee – just von der British East India Company importiert – in den Hafen. 342 Kisten? Klingt gar nicht nach so viel, oder? Aber das entspricht in etwa 41.730 kg. Das wäre genug, um damit 18 1/2 Millionen Teebeutel zu füllen. Und der Wert davon entspricht heute etwa einer Million US-Dollar, also etwa 890.000 Euro. Also nicht ganz zu vernachlässigen.

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Kaffee ist das Heißgetränk der Patrioten

Tee zu trinken war nicht mehr so ganz en vogue und Kaffee wurde schnell zum flüssigen Aufputschmittel der Wahl. Sogar George Washington, der spätere erste US-Präsident (1789-1797) hat im Jahr 1770 200 Pfund Kaffee importiert. Am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet und die heutigen USA nahmen Form an. Es wurde geradezu zur Pflicht eines jeden Amerikaners, Kaffee zu trinken.

Im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) fanden die Soldaten beider Seiten Geschmack am Kaffee, und obwohl natürlich nicht nachgewiesen werden kann, dass das Heißgetränk der entscheidende Faktor im Sieg der Union gegen die Konföderierten Staaten von Amerika war, galt Kaffee auf jeden Fall als eines der begehrtesten Nahrungsmittel in der Ration. In Uncommon Grounds zitiert Mark Pendergrast aus dem Buch Hardtack and Coffee (John Billings, 1887):

It was coffee at meals and betwen meals, and men going on guard or coming off guard drank it at all hours of the night.

Und während die Unions-Soldaten Kaffeebohnen und pro Kompanie eine Kaffeemühle mit sich führten, mussten sich die Konföderations-Soldaten mit einem Kaffeeersatz zufrieden geben: Aus Eicheln, Löwenzahnwurzeln, Okra oder Chicorée. Och nö.

Bei Soldaten ist Kaffee natürlich immer noch essentiell. So sehr sogar, dass die U.S. Army in einer Studie mit Soldaten einen Algorithmus entwickelt hat, der ausrechnet wie viel Kaffee man trinken muss, um wach zu bleiben. Sachen gibt’s.

Caffè Americano in Zahlen und Fakten

Dass Kaffee in den USA auch heute ein Nationalgetränk ist, verwundert Dich sicher nicht – immerhin gibt es sogar ein so benanntes Getränk: Beim Caffè Americano wird ein Espresso mit heißem Wasser aufgefüllt.

Etwa die Hälfte der Amerikaner über 18 trinken täglich Kaffee – der durchschnittliche Amerikaner genießt 3,1 Tassen Kaffee pro Tag. Anders als Film und Fernsehen suggerieren, trinken die US-Amerikaner ihren Kaffee nicht ständig unterwegs und auch nicht nur im Coffee Shop. Laut einer Studie der National Coffee Association brühen 79 Prozent der Amerikaner ihren Kaffee zu Hause. Heute trinken die Amerikaner knapp 146 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr. Das klingt nach sehr viel, aber nach aktueller Statistik sind die USA mit diesem Kaffekonsum weltweit noch nicht mal in den Top 10. Diese Statistik führen seit Jahren die Finnen an.

Ein Gedanke zu “Ein Käffchen mit: Patrioten

  1. Pingback: Eine Tasse Kaffee lang durch Deutschland | Coffee to stay

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