Rezension: Evidence of the Affair

Ein Roman für Postliebhaber

Ich liebe Post – die, die von Herzen kommt, nicht die, die auch ohne Unterschrift gültig ist. Ich schreibe gerne einfach mal so, überrasche mit Karten oder Briefen. Seit einigen Wochen habe ich wieder zwei Brieffreundinnen und genieße es so, ihre langen Briefe zu lesen und bei einer großen Tasse Kaffee zu antworten. Ein Roman, der ausschließlich in Briefen erzählt wird, passt also gut in die Zeit.

„Evidence of the Affair“ gibt es in der Kombination aus E-Book und Hörbuch.

Vier Leben in Briefen

Mit „Evidence of the Affair“ hat Taylor Jenkins Reid in faszinierendes und aussergewöhnliches Buch geschrieben. Ich bin per Zufall auf den Roman, der ausschließlich in Briefen erzählt wird, gestoßen – denn im Mai gab es das Buch kostenlos bei Amazon Prime. Für mich war sowohl das als auch das Format eine Premiere. Denn ich bekam zusätzlich zum E-Book für die Kindle-App auch das Hörbuch auf Audible. Und beide Plattformen wussten jeweils, wo ich aufgehört hatte. Das fand ich ziemlich cool. Letztlich gefielen mir allerdings die Sprecher bei Audible so gut, dass ich den Großteil des kurzen Romans auf dem Weg zur Arbeit im Auto oder beim Kochen hörte.

Dear Mr. David Mayer,

My name is Carrie Allsop. Please accept my apologies for contacting you out of the blue. I am writing to ask a quite humbling favor. I recently found some love letters in my husband’s briefcase that I believe to be from your wife, Janet…

Der Einstieg von „Evidence of the Affair“ von Taylor Jenkins Read

Vier Blickwinkel, vier Stimmen

Der Briefroman beginnt Ende der 1970er Jahre mit Carrie Allsop, einer Frau Anfang 30, die einen Brief an David Mayer schreibt. Sie kennt ihn zwar nicht, ist sich aber sicher, dass ihr Mann eine Affäre mit seiner Frau hat. Die beiden schreiben sich zunächst Briefe, um mehr über die Affäre zu erfahren und geben einander Halt, je mehr sie über einander lernen. Beide wissen nicht, ob die Affäre ihrer Partner ein kurzes Intermezzo ist oder Bestand haben wird. Auch Janet und Ken, die Partner der beiden, schreiben Briefe.
Mir gefiel besonders gut, dass alle vier von vier unterschiedlichen Sprechern mit tollen Stimmen gesprochen wurden. Die sonore Stimme von George Newbern als David Mayer erinnerte mich an Mandy Patinkin in Homeland, vielleicht aber auch nur weil beide mit einer Carrie zu tun haben.

Der Inhalt

Der Roman hat in der Kindle-App 115 Seiten und dauert als Hörbuch knapp eine Stunde. Perfekt für zwischendurch.

Wenn auch Du schon einmal betrogen worden bist, kannst Du Dir vorstellen, dass die Briefe streckenweise harte Kost sind. Gerade durch die Briefform wird deutlich, wie sich negative Äußerungen und Erfahrungen auf das Selbstwertgefühl auswirken. Und doch: Durch den Zusammenhalt von Carrie und David wirkt es nicht ganz so schlimm. Gute Freunde sind gerade in harten Zeiten oft rar, da wiegt ihre gegenseitige Aufmunterung umso schwerer. Mir gefiel, dass Taylor Jenkins Reid schmerzhafte Details der Beziehungen durch die Briefe und auch oft zwischen den Zeilen erzählt. Und da das Leben selbst nicht in Briefform passiert, erfahren wir Leser einiges erst rückblickend. Der Autorin ist gelungen, in einem so kurzen Roman Spannung, Überraschung und unvorhersehbare Handlungsstränge auf einzigartige Weise darzustellen.

Mein Fazit

Ich gebe dem Buch 5 von 5 Briefmarken. Das gegenseitige Trösten von Carrie und David kommt vielleicht zunächst aus dem Nichts, doch ich habe es selbst schon so erlebt. Taylor Jenkins Reid führte mich immer wieder auf falsche Fährten und liess mich manchmal erfreut und manchmal auch sehr wütend zurück. Eine absolute Meisterleistung.

Du wirst es mögen, wenn
– Dir ungewöhnliche Formate gefallen
– Dir empathisch gezeichnete Charaktere gefallen
– Du einen kurzen aber vollumfänglichen Roman für zwischendurch suchst
– Du findest, dass man sich auch als Frau nicht alles gefallen lassen muss

Und falls Du Dich fragst, wie Taylor Jenkins Reid ihre Bücher schreibt: Sie lobt den starken Rückhalt ihres Ehemanns.

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