Was ist denn mit den Leuten los?

Ich glaube, ich werde alt

Ich habe früher irre gern das Jetzt-Magazin gelesen, extra wegen des Hefts die Süddeutsche Zeitung gekauft. Als das Magazin eingestellt wurde, habe ich der Chefredaktion der Süddeutschen einen Brief geschrieben, wie traurig mich das macht und dass ich jetzt niemals mehr die Süddeutsche lesen würde, jawohl.

Spulen wir etliche Jahre weiter. Seit mir Die Zeit zu prätentiös, pseudo-intellektuell und vor allem viel zu fett geworden ist, um sie innerhalb einer Woche zu lesen, gibt es für mich nur eine wirklich gute Zeitung in Deutschland. Du ahnst es: die Süddeutsche.

Manchmal werden mit Inhalte aus dem Jetzt-Magazin in meinem Facebook-Feed gespült. Warum weiß ich nicht genau. Aber sagen wir so: Der Facebook-Algorithmus war kürzlich auch der Meinung, dass ich mich mit einer Sprachapp doch endlich daran machen könnte, Deutsch zu lernen…

Heute wurden mir gleich zwei Jetzt-Beiträge serviert. Im ersten geht es um die „Tanten, die ungefragt Bodylotions schenken“. Im zweiten Beitrag ging es darum, wie blöd man dasteht, wenn man kein Gegengeschenk hat.

Das ist eine dieser Situationen, in denen ich mich frage, ob wir kollektiv eigentlich noch alle Latten am Zaun haben.

Undankbar oder wie?

Also mal ehrlich: Ja, es ist Tradition, sich zu Weihnachten etwas zu schenken. Aber wenn man mit der Tante aus dem ersten Beitrag nur einmal im Jahr Kontakt hat, schenkt sie eben etwas, das man vermeintlich gebrauchen kann. Sie schenken etwas, was hübsch verpackt ist. Sie schenken vermutlich etwas, das man sich selbst so nicht gegönnt hätte. Aber das ist für die Redakteurin offenbar nicht gut genug. Irgendwie finde ich das undankbar. Und die Frage, die bei mir bleibt: Was schenkt sie denn Geistreiches?

Feiern mit leeren Händen

Jedem von uns ist es schon passiert: Wir bekommen ein Geschenk und haben selbst keins. Was tun? Klar kann man sagen „oh, ich hab Deins gar nicht dabei“ oder „Deins ist noch nicht da“. Aber letztlich waren wir auch alle schon mal die, die das Geschenk hatten, ohne eins zu bekommen. Ich fand das bisher nie schlimm. Ich schenke unglaublich gern. Ich überrasche gern. Und wenn es mein Gegenüber glücklich macht, habe ich mein Ziel erreicht.

Worüber ich gestolpert bin, sind Situationen, die der Redakteur schildert, die ich wiederum nicht nachvollziehen kann. Er schreibt darüber, beim Besuch bei den Schwiegereltern mit leeren Händen dazustehen. Sagen wir mal so: Der Traum der Schwiegermütter hätte doch wohl zumindest Blumen dabei, oder? Zumal die Tochter ihn doch bestimmt beraten könnte, was ihren Eltern gefallen würde. Nun.

Und so brüte ich über diesen eigenartigen Geschenkesituationen und freue mich, alle Geschenke zu haben. Bis auf das, was offenbar bei DHL verloren ging. Immerhin wurde es angeblich zugestellt, nur wohnt der Nachbar in keinem der zehn Nachbarhäuser. Bitter, es wäre wirklich schön gewesen…

Und letztlich ist gemeinsame Zeit doch ohnehin das Schönste.

Ein Gedanke zu “Was ist denn mit den Leuten los?

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