Die Magie der Rauhnächte

Uralte Rituale für die moderne Zeit

Ich möchte dich heute mitnehmen auf eine Reise der ganz besonderen Art. Auf eine Reise in eine Zwischenwelt zwischen den Jahren, die traditionell auch als die Rauhnächte bezeichnet werden. Für viele von uns war das Jahr 2019 ein ganz besonderes Jahr der Transformation und der persönlichen Entwicklung. Ein Jahr, das es auf jeden Fall wert ist, noch einmal genauer hinzuschauen.

Ich selbst habe von den Rauhnächten vor rund drei Jahren durch eine meiner Mentoren erfahren und habe auch erst mal gefragt: Rauh-was??! Ich hatte noch nie etwas von diesem Begriff gehört und konnte mir nichts darunter vorstellen. Als ich mich jedoch etwas mit dem Thema beschäftigt hatte und den Zauber der Rauhnächte dann auch ganz bewusst erlebt habe, möchte ich sie nun nicht mehr missen und sie gehören seitdem zu meinem festen Jahresritual, das ich heute mit euch teilen möchte. Denn ich glaube, dass uralte Rituale wie diese gerade in unserer modernen, oft hektischen Zeit, eine wunderschöne Einladung sind, sich einen bewussten und heilenden Raum der Besinnung, Achtsamkeit und inneren Klarheit zu erschaffen.

Die „Heiligen Nächte“

Die Rauhnächte werden auch die „Heiligen Nächte“ genannt und bezeichnen die zwölf Nächte zwischen den Jahren, welche eine ganz besondere, magische und transformative Energie inne haben. Die Zeit scheint dann fast still zu stehen, und ich freue mich persönlich immer ganz besonders auf diese wunderbaren Tage, die ohne ein wirklich wahrnehmbares Raum- und Zeitgefühl daherkommen – denn das alte Jahr ist noch nicht ganz vorbei, das neue aber auch noch nicht ganz da. Es ist eine Zeit der Visionen, Träume und wenn man das möchte, der spirituellen Erfahrung, in der die Verbindung zwischen der geistigen und der menschlichen Welt besonders ausgeprägt zu sein scheint. Es heißt, dass in dieser Zeit die Tore zur Anderswelt und zum Jenseits weit geöffnet sind und feinstoffliche Kräfte und Energien leichter wahrgenommen werden können. Unsere Vorfahren gingen davon aus, dass Geister, Dämonen und Gespenster zu dieser Zeit leichter Einzug halten konnten, und man versuchte deshalb, diese Nächte durch Rituale, Bräuche und fest gelegte Regeln schadlos zu überstehen. Diese sollten Negatives verhindern und Positives bewirken. Als kleines Beispiel für einige dieser Rituale, die sich bis in unsere Zeit gerettet haben, seien das Bleigießen, das Räuchern der Häuser und Ställe, sowie das Sternsingen am 6. Januar genannt, wenn die Sternsinger mit Weihrauch von Haus zu Haus ziehen.

Der Begriff der Rauhnächte kommt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort rûch, was so viel wie „haarig“ und „wild“ bedeutet. Es lässt sich hier ein Bezug zum Aussehen der Dämonen, Geister und Gespenster herstellen, an die unsere Vorfahren glaubten. Auch steht der Begriff der Rauhnächte mit dem Wort rauh in Verbindung, das sich auf den Rauch der Räucherrituale bezieht.

Traditionell werden die Rauhnächte vom 24./25. Dezember bis zum 4./5. Januar gefeiert. Sie laden zu einer Art persönlichen Bewusstseinsreise und zu einer besonderen Form der Innenschau ein, welche eine Rückschau auf das vergangene Jahr erlaubt, wie auch eine intentionale Vorausschau auf das kommende Jahr. Hierbei steht jede Nacht der Rauhnächte in Verbindung mit der Energie eines Monats des folgenden Jahres. Man kann sich intensiv damit auseinandersetzen, was man in diesem Jahr zurücklassen und in das kommende Jahr einladen möchte. Du kannst jetzt ganz wunderbar einen Raum für dich, deine Ideen, deine Intentionen und insbesondere für deine Intuition schaffen, um herauszufinden, was du dir wirklich wünschst. Du kannst dir die Erfahrungen und Ereignisse des letzten Jahres noch einmal achtsam und auch dankbar vor Augen führen, indem du auf besondere Weise mit dir selbst Verbindung aufnimmst, auf eine persönliche Innenschau gehst und deiner inneren Stimme lauschst und diese durch Rituale bestärkst.

Der Ursprung der Rauhnächte

Die Rauhnächte finden nicht ohne Grund kurz nach der Wintersonnenwende – der längsten Nacht des Jahres – statt. Einem Fest, an dem die Menschen seit jeher das wiederkehrende Licht nach einer Zeit der Dunkelheit gefeiert und begrüßt haben. Obwohl diese Tage bzw. Nächte auch durchaus Platz in christlichen Feierlichkeiten gefunden haben bzw. teilweise auch noch heute finden, denn zwischen Jesu Geburt und der Ankunft der Heiligen Drei Könige fühlen sich die Menschen traditionell stärker als sonst mit Gott verbunden, haben die Rauhnächte ihren Ursprung in der vor-christlichen keltischen und germanischen Tradition. Hierzu eine kurze Rechnung. Der germanische Kalender richtete sich nach dem Mondjahr und dem Sonnenjahr. Das Sonnenjahr hatte 365 Tage, welches in der Kombination mit dem Mondjahr, das 354 Tage zählte, eine genaue Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten ergibt, den zwölf heiligen Nächten zwischen den Jahren.

Da diese Zeit des wieder aufkommenden Lichts und die der Rauhnächte in unmittelbarem Zusammenhang mit unserem heutigen Weihnachtsfest steht, sei auch dieser hier kurz erwähnt.

Im Jahr 336 n. Chr. wird zum ersten Mal nachweislich das Weihnachtsfest als ein kirchlicher Feiertag gefeiert. Bis heute ist es das Fest des Beisammenseins, der Familie und der Besinnlichkeit. Dabei geht Weihnachten vermutlich nicht auf die Geburt Jesu Christi zurück, denn der 25. Dezember ist in alten Kalendern als der Tag der Wintersonnenwende vermerkt, an dem die Tage endlich wieder länger werden. Bei den Germanen wird Midwinter auch Yule genannt. Noch heute erinnert die skandinavische Bezeichnung Jul für Weihnachten an diese vielleicht wichtigste Zeit des Jahres. Auch die Römer huldigten ihrem Sol Invictus, dem unbesiegbaren Sonnengott, welchem man im Jahr 274 n. Chr. am 25. Dezember mit einem Staatsfeiertag ein Denkmal setzte. Ein paar Jahrzehnte später erscheint Konstantin dem Großen vor einer Schlacht das Christussymbol und dieser Gott überzeugt. Konstantin konvertiert, baut viele Kirchen und macht aus dem Geburtstag des Sol Invictus den Jesu. Die Bibel bezeichnet Jesus übrigens auch als „unbesiegbare Sonne“ oder als das „wahre Licht der Welt“, welches ebenfalls ein Indiz dafür ist, dass hier einfach zwei Geburtstagsfeiern zusammengelegt wurden. Die Rauhnächte sind nun die konsequente Folge auf diesen Geburtstag des Lichts, der den Menschen seit jeher Raum und Zeit zur Innenschau gibt.

Kleiner Rauhnachtbegleiter

Man kann die Rauhnächte auf die unterschiedlichsten Weisen begehen und zelebrieren und dies hängt, wie fast alles, von der jeweiligen persönlichen Präferenz ab. Ein bewusster Umgang mit den Rauhnächten, egal auf welche Weise, gibt dir die Möglichkeit, das kommende Jahr kreativ, aktiv und positiv einzuläuten.

Wenn du die Rauhnächte dieses Jahr feiern möchtest, ist es generell gut, dir an diesen Tagen möglichst wenig vorzunehmen und Platz zur inneren Einkehr zu schaffen. Auch solltest du einen Ort haben, an dem du möglichst ungestört bist und an dem du dich wohl fühlst und entspannen kannst. Um das Jahr positiv abschließen zu können, ist es außerdem empfehlenswert alle offenen Angelegenheiten bis dahin zu klären, wie alte Rechnungen zu bezahlen, Ausgeliehenes zurückzugeben und allen anderen Ballast loszuwerden. Ich persönlich liebe die Tradition mein Haus an den Rauhnächten ausgiebig zu räuchern, auch wenn das Räuchern in meiner beruflichen Praxis als ganzheitlicher Coach ohnehin einen festen Bestandteil der energetischen Reinigung für mich darstellt. Damit Altes gehen und Neues Platz nehmen kann, ist es wichtig auch seine Umgebung, sich selbst und alles, was sich hier für dich intuitiv richtig anfühlt, auf energetischer Ebene zu reinigen. Als Räucherwerk empfiehlt sich eigentlich alles, was der Kräutergarten zu bieten hat. Typischerweise werden getrocknete Kräuter wie Wacholder, Rosmarin, Weihrauchauszüge oder Salbei verwendet. Gerade bei dem weißen Salbei, der als Räucherwerk zu kaufen ist und nicht aus dem heimischen Garten stammt, ist jedoch darauf zu achten, dass das natürliche Pflanzenaufkommen hier gefährdet ist und daher auf Gebrauchsmenge, sowie Herkunft geachtet werden sollte. Aus diesem Grund habe ich Palo Santo hier gar nicht mehr aufgeführt. Alternativ zum weißen Salbei kann auch der heimische Beifuß verwendet werden. Räuchere deine Wohnung, dich selbst, deine Beziehungen und alles, was dir in den Sinn kommt und folge dabei ganz deiner Intuition, um Klarheit und Ruhe zu erschaffen.

Rauhnachtsrituale

Es ist es sinnvoll, sich für diese Tage eine Art Tagebuch und/oder ein Traumtagebuch z.B. neben das Bett zu legen. Denn erfahrungsgemäß erhält man gerade in den Rauhnächten Eingebungen, Downloads, Impulse oder Gedanken, die sich als hilfreich herausstellen können. Morgens notierst du dir dann einfach deine Träume und über den Tag hinweg deine Gedanken, damit du immer, wenn dir danach ist, darauf zurückgreifen kannst. Ich plane zu jeder Rauhnacht ein kleines Ritual, in dem ich eine Kerze in meiner Lieblingsfarbe anzünde und als eine Art Impuls eine Orakelkarte aus einem meiner Orakelkarten-Sets ziehe und die Gedanken in meinem Journal festhalte, die mir dazu kommen. Ein anderes Ritual, auf das ich beruflich wie auch privat häufig zurückgreife, ist das automatische Schreiben, das du hervorragend mit den vorher genannten Ritualen kombinieren kannst. Am besten nimmst du dir zu jeder Rauhnacht kurz Zeit für fünf bis zehn Minuten des automatischen Schreibens. Du schreibst, zeichnest, malst über die Zeit hinweg, die du dir vorgenommen hast, alles auf, das dir gerade in den Sinn kommt. Wichtig ist nur, dass du den Stift nicht hinlegst oder den Schreibfluss unterbrichst. Wenn du die gesamte Zeit nur Kreise malen solltest, ist das auch völlig okay. Das kann erst mal eine ziemliche Überwindung für dich sein, aber dadurch kannst du mit ein bisschen Übung sehr gut mit deinem Unterbewusstsein in Kontakt treten, etwas, das in unserer rational betonten Alltagswelt häufig zu kurz kommt. Aus den Impulsen und Gedanken, die du in deinem Journal festhältst, kannst du wiederum Intentionen für das kommende Jahr festlegen. Hierbei kannst du dich an Fragen orientieren, wie

Was möchte ich in diesem Jahr noch loslassen und nicht ins nächste Jahr mitnehmen? Wovon nehme ich mir mehr für das nächste Jahr vor?
Was oder wer tut mir gut und was oder wen möchte ich zukünftig mehr in mein Leben einladen?

Hierbei ist die positive Formulierung und eine von Wachstum geprägte, liebevolle Intention besonders wichtig. Denn jetzt legen wir quasi die Grundlage für das kommende Jahr. Natürlich ist auch hierbei das Vertrauen in den eigenen Weg und in die Überraschungen, die das Leben für dich bereit hält, sehr wichtig. Es gilt also auch hier bewusst loszulassen, nachdem die Intention gesetzt wurde. Dabei helfen kann es dir, die Zettel mit deinen Intentionen zu verbrennen und sie auf diese Weise auch symbolisch nach oben abzugeben. Ich persönlich hefte mir wichtige Botschaften zusammen mit Bildern an ein Vision Board, damit ich darauf zurückgreifen kann, wenn mir danach ist. Die letzte Nacht der Rauhnächte bildet übrigens die sogenannte Perchnacht. Hier können wir die anderen Nächte, ihre Botschaften und Intentionen revue passieren lassen, Kernbotschaften und Dinge, die sich gezeigt haben, zusammenfassen und mit diesen Botschaften klar und gestärkt ins neue Jahr starten.

Dies sind nur ein paar Rituale und Impulse für deine ganz persönlichen Rauhnächte und du kannst ganz nach Belieben und Gefühl Meditationen, Gebete und andere Rituale hinzufügen. Falls dich nun die Begeisterung für die Rauhnächte gepackt hat, kann ich dir noch folgende weiterreichende Literatur empfehlen:

  • Sandra Waldermann-Scherhak: Rauhnacht-Rituale für Frauen. Eine spirituelle Bewusstseinsreise durch die zwölf Nächte. 2017, Schirner Verlag.
  • Harald Krassnitzer: Wunderbares für eine besondere Zeit. 2019, Residenz Verlag.

Herzliche Rauhnachtgrüße,
Dani

Die Autorin:

Dani ist Life & Soul Coach für Hochsensible, Vielbegabte und Hochsensitive. Mehr zu ihr und zu ihrer Arbeit findest Du hier. Auf Instagram findest Du sie unter alchemist_coaching.

Ein Gedanke zu “Die Magie der Rauhnächte

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