…staubsaugen müssen Sie aber nicht

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen

…sagte Loriot in einem seiner unvergesslichen Sketche.

Vor ungefähr zwei Wochen erlebte ich etwas, über das ich bis heute nachdenke. Ein paar Dinge vorweg: Ich arbeite in einer absoluten Männerbranche, und das seit fast 10 Jahren. Das ist ok, das bringt das Metier so mit sich und das habe ich mir so ausgesucht. Meine Branche ist furchtbar konservativ. Ich habe kein Problem mit einem Herrenwitz. Oder damit, wenn die Kollegen auf dem Weg zur Kantine sagen „So, dann mal los, Männer“. Aber ich habe generell ein Problem mit Respektlosigkeit, insbesondere wenn diese rein auf dem Geschlecht beruht.

Unter Männern

Die Arbeit unter Männern bringt schon immer einige Kuriositäten mit sich. Inzwischen genieße ich es, (als Frau) unterschätzt zu werden, nur um in einem unerwarteten Moment mein Fachwissen anzubringen. Je nach Tagesform merke ich meinen Kollegen an, ob ich „einer von den Jungs“ bin oder eben „die Dame“, der man die Tür aufhält, weil sie heute ein Kleid trägt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nur an Rock- und Kleidtagen überhaupt bemerkt wird, dass „Damen im Raum“ sind. Keiner merkt, wenn mehr als 5 cm Haar fehlen, bei den Herren sehe ich das sofort. Auch daran gewöhnt man sich, mein Freund merkt es – das zählt.

Der Staubsauger, die Schlagfertigkeit und ich

Ich bin einiges gewohnt. Kürzlich traf ich nun auf eine neue Führungskraft. Wir kannten uns nur durch ein Telefonat, dies war das erste Kennenlernen in Person. Als ich sein Büro betrat, sagte er zu mir „Setzen Sie sich. Fühlen Sie sich wie zu Hause. Aber staubsaugen müssen Sie nicht.“ Mir blieb die Spucke weg. Dank etlicher Rhetorik- und Schlagfertigkeitstrainings konnte ich zumindest „ach, das mache ich nicht selbst, dafür habe ich einen Roboter“ rausbringen. Und doch ärgerte ich mich. Über ihn, über die Situation und über meine gefühlt mangelnde Souveränität. Hätte ich mich trauen sollen, zu sagen „ach, dann lege ich die Füße auf den Tisch und Sie holen mir ein kaltes Bier?“. Natürlich nicht, ein solches Verhalten verbietet mir die Kinderstube. Doch wie hätte ich reagieren sollen? Warum ärgert es mich so? Ich glaube, weil er nicht mal gemerkt hat, dass der Spruch völlig unangemessen und wenig witzig war.

Die Situation beschäftigt mich seit zwei Wochen immer mal wieder. Vor einigen Tagen sprach ich mit einer Freundin darüber. Ihre Standardantwort in solch fragwürdigen Situationen ist „würden Sie das auch zu einem Mann sagen?“. Hm. Vermutlich nicht. Gesteigert gibt es ihren Spruch noch als „würden Sie das in der Dusche im Gefängnis zu einem Mann sagen?“. Nun.

Ich mag aber nicht #metoo sagen

Aber was macht Frau in einer solchen Situation? Ist das #metoo? Bin ich schuld daran, dass es mich stört, weil ich es auf mich als Frau beziehe? Ich glaube nicht. Ich glaube auch nicht, dass die Führungskraft den Spruch zu einem Mann gesagt hätte. Was hätte er gesagt?

Vor ein paar Wochen saß ich mit einem Bekannten beim Essen zusammen. Wir kennen uns seit Jahren, verstehen uns gut, lernen in der Sommerpause Vokabeln zusammen. Es war Mittagszeit, ich trug ein knielanges Kleid mit noch konservativem Ausschnitt. Er saß mir gegenüber, wir unterhielten uns über meinen letzten Ausflug mit meinem Freund, über seinen geplanten Urlaub mit seiner Familie. Diese Fronten sind unmissverständlich geklärt und davon abgesehen wäre er überhaupt nicht mein Typ. Plötzlich „sag mal ist es heiß hier, oder bist Du’s?“ Hä? Und wieder fehlten mir die Worte. Ich schob das Heiße auf das gut gewürzte asiatische Gericht vor ihm. Ist das jetzt #metoo?

Gut Schuss!

Wenn ich in meinem Schützenverein trainiere, bin ich die einzige Frau und gehöre zu den Jüngsten. Die Herren schauen gern zu, wenn ich schieße. Sie analysieren meine Zielscheiben und geben mir Tipps, wie ich besser werde. Aber sie werden nicht komisch. Sie sagen nicht „Ja klar ist die SigSauer superschwer für Dich, Du hast ja auch nur dünne Mädchenarme.“ Stattdessen geben sie mir (auf Nachfrage) Hinweise, wie ich meine Arme besser trainieren kann. Tue ich ihrer Statistik gut? Natürlich, knapp über 30, weiblich, blond. Und sie wissen sich zu benehmen.

Mit welchen Sprüchen musst Du Dich rumschlagen? Was sagst Du darauf? Hast Du Tipps, wie wir Frauen souveräner mit sowas umgehen können? Oder übertreibe ich? Ich bin gespannt auf Deine Meinung!

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3 Gedanken zu “…staubsaugen müssen Sie aber nicht

  1. Warum alles so ernst nehmen (dummer Spruch. ich weiß) aber letztlich gibt es Geschlechter und die Wahrnehmung dieser gehört zu unserem Leben dazu. Wer das verneint hat in Biologie nicht aufgepasst. Deshalb sollte ein gewisser Spielraum einfach möglich sein. Wir sind keine Roboter .
    Wenn der Chef den professionellen Rahmen verlässt, ist das allerdings dumm, denn das gehört einfach nicht dahin. Sein Geschlechterbild hat in einem Gespräch zum Job nichts zu suchen. Hätte mich auch geärgert.
    Im privaten Umfeld sehe ich das etwas anders, warum nicht etwas spielen. Wenn dir dein Freund deshalb unsympathisch ist, dann ist er nicht der Richtige und du kannst dir einen anderen suchen, niemand zwingt dich dazu mit ihm Zeit zu verbringen. Man kann das auch einfach direkt ansprechen und wenn du ihm wichtig bist, als Mensch, dann wird er sich entscheiden.

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    • Da ist die Unterscheidung zwischen dem beruflichen Rahmen und dem privaten Umfeld schon wichtig. Generell geht einiges nicht, weil es einfach unnötig ist. Aber im privaten Umfeld trauen sich aus meinem Bekanntenkreis die Damen eher, den Mund aufzumachen und Contra zu geben.

      Was das mit meinem Freund zu tun hat, habe ich jetzt allerdings nicht verstanden? Der weiß sich zu benehmen.

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