Auto-Dating

Heute Abend bin ich 330 Kilometer mit dem Auto gefahren, knapp 290 davon auf der Autobahn. Das ist nicht besonders ungewöhnlich. Beim Auto fahren kann ich gut nachdenken, bei der Musik mitsingen („ich singe nicht im Auto, ich performe“ könnte über mich sein, ist es aber nicht) und Pläne schmieden. Heute aber hatte ich ein Date. Also quasi. Also wenn Auto-Dating schon erfunden wäre.

Blinken statt wischen

Als ich knapp 60 km unterwegs war, fuhr ein Auto auf die A71. Das habe ich mir gemerkt, denn es kam aus der gleichen Stadt wie ich, von der ich aber noch etwa 270 km entfernt war. Bei Kennzeichen aus meiner Gegend schaue ich mir immer an, ob ich den Fahrer kenne.

Wir überholten uns eine Zeit lang gegenseitig und ich überlegte, was das wohl für ein Typ sei. Am Auto konnte ich es nicht so recht festmachen. Sauber war es, Mercedes C-Klasse Sportcoupé, dunkel. Dem Kennzeichen nach ist er zwei Jahre jünger als ich. Beim x-ten Überholen schaute ich ihn mir mal an, diesen G. – dem Kennzeichen nach vermutlich sein Vorname. Dunkler Typ, Bart von drei bis fünf Tagen, keine Brille, keine besonderen Merkmale.

Ich überlegte, wie G. heißen mag. Göran (wirklich Schwedisch sah er in der Dämmerung nicht aus)? Gabriel? Gustav? Gregor? Günter? Gerhard? Gencay? Auf arg viel, was in die Anfang 30er Altersklasse passte, bin ich nicht gekommen. Aber auf eine Idee.

Auto-Dating

Wäre es nicht witzig, ein Date auf der Autobahn zu haben? Bedingungen: Auto muss der Person gehören und vollgetankt sein, immerhin kann man am Fahrzeug einiges über den Fahrer erkennen. Und es wäre doch schade, wenn die große Liebe nicht eintritt, weil einer von beiden tanken muss und man sich im wahrsten Sinne aus den Augen verliert.

Das Ganze ist quasi ein Blind Date. Es wird eine bestimmte Strecke ausgemacht (hier wäre sie bis zu unserem Kennzeichen = Wohnort gewesen) und beide fahren in die gleiche Richtung. Wenn näheres Interesse besteht, könnte man einen Kaffee am Rastplatz trinken.

Vorteile

Seien wir ehrlich, selbst die am wenigsten oberflächlichen unter uns machen sich Gedanken über Autos. Solide, Familienkutsche, Dienstwagen etc. Hat es Aufkleber („Corsica Ferries 2006“ spricht entweder für einen besonders aufregenden Urlaub oder einen etwas faulen Zeitgenossen), Kratzer, Dellen, ist es getuned?

Wie fährt der Fahrer? Drängelt er, wirkt er genervt, singt er laut mit, telefoniert er oder führt er Selbstgespräche?

Meine Idee fand ich deshalb so witzig, weil G. und ich über 100 km hintereinander her fuhren – da kommt schon eine gewisse Vertrautheit auf. G. hielt vernünftigen Sicherheitsabstand, blinkte bei jedem Überholvorgang, fuhr umsichtig und gelassen. Nach einer Weile überließ er mir mal die Führung. In Bayern lag er wieder vorne. Und während ich im Spaß vor mich hin sponn, ab wie vielen Kilometern man zusammen sei und ab wann man allein schon aus Kuriositätsgründen wirklich einen Kaffee mit der anderen Person trinken sollte, blinkte G. Und dann fuhr er ab. Eigentlich fast schade.

Musste er tanken? Wollte er nicht nach Hause? Wollte er die blöde 6 km lange einspurige Baustelle umfahren? Wo kam er an diesem Abend überhaupt her und wo wollte er hin?

Ich weiß es nicht. Aber es war sehr unterhaltsam. Gute Fahrt, G.

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5 Gedanken zu “Auto-Dating

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