Karo, Cowboys und Country: Bandera, TX

Die Hauptstadt der Cowboys: Yeehaw, y’all!

Etwa 52 Meilen oder eine Autostunde von San Antonio entfernt liegt Bandera. Laut Ortseingangsschild gibt es dort 957 Einwohner, meinem Eindruck nach knapp 75 Prozent davon Cowboys. Bandera wird in meinem Reiseführer angepriesen als „The Cowboy Capital of the World“ – und das ist die perfekte Beschreibung.

Die Main Street in Bandera, Texas.

Ich kenne keinen anderen Ort auf der Welt, an dem es so gerechtfertigt erscheint, dass (grob geschätzt) 98 Prozent der Menschen einen Pick-Up fahren. Mit meinem Miet-Yaris fühlte ich mich für diese Party ziemlich underdressed 😉

Südstaaten-Mallorca:

Auf der I-10 West, der Interstate, die alle Südstaaten mit einander verbindet und von Florida bis Kalifornien führt, komme ich an vielen Toren vorbei, die Ranches ankündigen. Einmal sehe ich eine kleine Herde schwarzer Longhorns. Dass ich hier richtig bin, wüsste ich auch ohne Google Maps. Die Landschaft erinnert an Mallorca: Man sieht der Vegetation an, dass es hier sehr oft sehr warm ist. Außerdem ist es ziemlich hügelig, aber hinter jeder Kuppe tut sich ein toller neuer Blick auf.

In Bandera ragt ein großer Wasserturm über der Gemeinde. Mich erinnert das immer ein bisschen an den Film „Gilbert Grape“ mit Leonardo DiCaprio von vor über zwanzig Jahren. Gut, das was zwar Iowa, aber ländlich war es auch.

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Begrüßt wurde ich von drei Rehen, die erst die Straße entlangliefen und dann eins, zwei, drei, über einen Gartenzaun sprangen. Ohne Fotos würde ich das jetzt auch nicht mehr glauben.

In der 11th Street Cowboy Bar (oben links) steppt abends der Bär (möglicherweise auch das bovine einheimische Vieh). Bekannt als typisches Südstaaten Honky Tonk wird dort Country gespielt und die Einheimischen trinken was. Stimmt beides. Abends war ich leider schon wieder unterwegs, aber die Einheimische, die mir meinen Buckle (die Cowboy-Gürtelschnalle mit Longhorn-Motiv) verkaufte, versicherte mir, dass auch allein reisende Frauen hier gar nichts zu befürchten hätten. Glaube ich ihr sofort. Insgesamt erinnert der Ort an ganz viele Geschichten in der modernen Country Musik. Das passt hier richtig gut her und läuft in meinem Knutschkugel-Mietwagen dementsprechend ständig im Radio.

Die lokale Meinung

Der General Store verkauft unter anderem Cowboy-Hüte, Deko mit Lokalkolorit („howdy y’all“) und gebrauchte Cowboy-Stiefel in allen Größen, Farben und Mustern. Der Cowboy Store nebenan bietet Kleidung für den Cowboy, von besonders belastungsfähigen Jeans (Wrangler) über Buckles, Karohemden und Socken mit Cowboybezug. Auf mein Nachfragen hin erzählte mir die Verkäuferin, dass Bandera keineswegs für Touristen so gemacht wurde, sondern schon immer so ist – der Cowboy-Ort. Sie erzählt mir auch, dass sie es als Jugendliche furchtbar dort fand, weil einfach nichts los war. Aber jetzt kann sie sich nicht vorstellen, woanders zu leben.

Sie empfiehlt mir, zum Fluss zu gehen, da ich dort tolle Fotos machen könne, und zum Antiquitätenmarkt. Der sei einfach sehenswert und ein Erlebnis. Und ganz ehrlich: Viel gibt es im Moment in Bandera nicht zu erleben. Ich bin leider etwas zu früh dran, denn die Mardi Gras-Parade mit Longhorns hätte ich schon gern erlebt.

Am Medina River

Beide Empfehlungen waren klasse. Am Medina River war ich fast alleine und konnte ganz in Ruhe die Sonne genießen, im Reiseführer blättern, Fotos machen und mit etwas Belustigung diesen Hahn aus der Ferne betrachten. Einen frei laufenden Hahn am Fluss hatte ich vorher auch noch nicht gesehen. Außerdem waren dort auch Gänse und Enten sowie ein Huhn unterwegs, aber kurios war es trotzdem.

Pre-loved:

Weiter zum Antiquitätenmarkt: Ich hab einen kleinen Platz im Herzen für ungewöhnliche Deko, für Vintage und für Einmaliges.

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Der Markt ist eine große Halle, in der Menschen aus Bandera, aus Texas und von weiter her das verkaufen, was ihnen vom Stil her nicht mehr zusagt, was nach dem Umzug nicht mehr passt oder was aus Haushaltsauflösungen kommt. Jeder Anbieter hat einen kleinen Raum und für mich als Käuferin war es völlig egal, von wem ich etwas kaufen wollte. Bezahlt wurde am Schluss an einer Kasse.

Es gab Kurioses, Wunderschönes und Eigenartiges. Es gab aufgelöste Sammlungen und ganz viel Lokalkolorit mit Kühen und Ranches, einiges in Richtung Südstaatencharme und dann das, was in Deutschland wohl unter Landhausstil fallen würde.

Eine kleine Hommage an das Longhorn. Die präparierten Rümpfe standen zum Verkauf. Sowas kostet übrigens zwischen 3000 und 3700 Dollar. Der Präparator hat ganze Arbeit geleistet, sie sahen gruselig lebendig aus. Die beiden blieben aber nicht nur aus Platzgründen dort.  

Wenn man mal so überlegt: Ist es nicht viel schöner, etwas Gebrauchtem (hier mag ich das Englische pre-loved deutlich lieber) ein neues Zuhause zu geben als das Xte überteuerte Mitbringsel „Made in China“ zu kaufen? Ich bin habe jedenfalls ein paar Kleinigkeiten gekauft, die mir gefallen, die auch sonst zu meinem Stil passen und die mich bestimmt noch lange an die Heimat der Cowboys erinnern werden.

Cowboys für zu Hause:

Und wenn Du jetzt Lust auf Cowboys, Karohemden, Bullen und Country hast, empfehle ich Dir zumindest einen Film: „The Longest Ride“. Der hat auf Deutsch leider den fürchterlich kitschigen Titel „Kein Ort ohne Dich“ bekommen, er ist dennoch die am wenigsten kitschige Verfilmung eines Nicholas Sparks Romans. Und Scott Eastwood (der Sohn von Clint) macht sich im Karohemd beim Rodeo recht gut.

Hast Du auch eine ungewöhnliche Faszination?

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Ein Gedanke zu “Karo, Cowboys und Country: Bandera, TX

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