Landluft: Von der Liebe zur Kuh

Wer mich kennt, weiß dass ich eine ausgeprägte Liebe zu Kühen habe. Und auch als Stadtkind (das etliche Jahre auf dem Dorf gelebt hat) weiß ich, dass die lila Kuh ein Werbegag ist und Milch nicht aus dem Tetra Pak kommt. Überdies ist der Milchpreis meiner Meinung nach deutlich zu niedrig.

Kühe melken

Ich weiß, dass Kühe leiden, wenn sie nicht häufig genug gemolken werden. Ich weiß, dass Kühe getötet werden, wenn sie nicht (mehr) genug Milch geben. Ich weiß, dass es automatische Melkmaschinen gibt, die per Chip im Kuhohr wissen, ob Kuh Elsa (ist das ein Klischee?) schon da war und die sie dann wieder aus dem Melkprozess herausleiten. Ich weiß auch, dass es besonders luxuriöse Melkvorrichtungen gibt, wo Elsa während des Melkprozesses massiert wird. Und eines meiner großen Lebensziele ist es, einmal eine Kuh zu melken. Auch wenn ich davon ausgehe, dass ich mich dabei selten doof anstelle. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal eine Kuh gestreichelt. Fazit: Bisschen schleimig, wenn die riesige Zunge ausgefahren wird, aber unglaublich flauschiges Fell. Und diese riesigen Augen! Im Kitschroman würden die als treu bezeichnet werden.

Milchkaffee-Kühe

Ich mag Kühe der Rasse „Milchkaffee“ besonders gerne und deutlich lieber als die so gegensätzlichen schwarz-weißen Holsteinischen Kühe. Ich weiß, dass Kühe nicht besonders attraktiv riechen, zöge sie aber an jedem Tag einem Pferd vor. Meine ausgeprägte Angst vor Pferden hilft da halt auch nicht besonders. Kürzlich kam ich an einer Statistik vorbei, laut der ein relativ hoher Prozentsatz an Amerikanern meinte, dass Schokomilch von braunen Kühen kommt. Meine Bezeichnung der „Milchkaffee“-Kuh ist eher ein System, um die Bräune des Fells zu beschreiben.

Milchkühe und Fleischkühe sind nicht das Gleiche, dennoch aber beides Kühe. Und ich esse furchtbar gern mal ein Steak (medium gegrillt), würde es niemals durchgebraten oder gar englisch essen und habe ein Lieblings-Steakhaus. Obwohl ich Kühe so großartig finde? Ja. Angeblich ist es in Deutschland verboten, Kälber zu schlachten. Also lässt man sie verhungern. Ist das so? Ich hoffe nicht.

Meine romantische Vorstellung des Landlebens wird von meinem Realismus in Schach gehalten. Als eine Freundin meinte, mich mit einem Milchbauern kupplerisch bekannt machen zu können, der immerhin Herr über mehrere hundert Kühe ist, war mir das ein bisschen zu realistisch. Das würde wohl auch nicht ganz zu mir passen. Ich habe ein medizinisch nachgewiesenes Toleranzproblem mit Laktose und trinke gern Hafermilch (der Schwedenfan in mir ist schuld). Die soll angeblich Bauern helfen. Ob das so ist, weiß ich nicht. Milchbauern sicher nicht.

Das äußerst entzückende Mädchen, das ich regelmäßig babysitte, mag Kühe auch sehr gern. Und als sie noch nicht so gut sprechen konnte wie sie das heute fast ohne Unterlass tut, machte die Kuh bei ihr nicht „muh“ sondern „buh“. Was haben wir gelacht! Als würde sich eine Milchkuh mit ihren knapp 800 kg im Morgennebel anschleichen und uns erschrecken wollen. „Buh“. Halloween steht vor der Tür, wer weiß.

Warum ich das alles schreibe? Heute war Albabtrieb in Essingen. Ehrensache, mit meiner besten Freundin hinzugehen. „Kühe gucken“. Uns erwartete ein unglaublicher Lärm – diese Kuhglocken sind deutlich lauter als man sie sich landläufig vorstellt. Die „Milchkaffee“-Kühe waren geschmückt, wie man das vom Almabtrieb in den südlicheren Bergen kennt. Manche Kühe waren etwas eigensinniger als andere. Manche mochten ihren Kopfschmuck weniger als andere – aber so eine Kuh im Gras rollen zu sehen birgt auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor.

Wem das alles nicht lebhaft genug ist, dem empfehle ich dieses Video auf YouTube – genau da stand ich auch.

Großartig war es. Danke an die Landjugend Aalen-Essingen, die sowas möglich macht, damit so Kuhbekloppten wie mir das Herz höher schlägt.

 

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