Du bist, wie Du heißt. Oder?

Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften. (William Shakespeare, Romeo und Julia)

4035508093_142521aedf_bQuelle: Brennaval auf Flickr.

Meine beste Freundin erwartet ein Kind. Aber wie soll es heißen? An einem dieser langen Abende, als wir lachend die 600 Kilometer zwischen uns per Telefon überbrückten, habe ich ihr von Bianca abgeraten, von den Namen diverser Ex-Freunde auf beiden Seiten ebenso, so dass plötzlich Cato im Raum stand. Das meinte ich zwar nicht ernst, würde dem Kind aber sicher zu einer langen Karriere im Hamburger Senat verhelfen. Ihr eigener Vorname ist (außerhalb Norddeutschlands) auch ungewöhnlich. Als wir uns vor mehr als zehn Jahren kennen lernten, dachte ich erst, dass ich mich verhört habe.

Diese Woche las ich beim Kaffee in meinem geliebten New Yorker Magazin den Beitrag „Identity Crisis: Notes from a names obsessive“. Teilweise musste ich laut lachen. Lauren Collins ist Amerikanerin und lebt mit ihrem französischem Mann in Frankreich. In ihrem Artikel beschreibt sie die Suche nach dem perfekten Vornamen für ihren Sohn – und die Hürden.

Nomen est Omen, wie die Alt-Lateiner so sagen. Da ist einiges dran: In meinem Umfeld gibt es junge Männer, deren Namen „Der Tapfere“, „Gott ist mit uns“ oder „Der Feurige“ bedeuten. Die Damen heißen „Die Liebliche“, „Die Löwin“ oder „Gott ist gnädig“. Ein Name steht oft für die Prägung und die Wünsche, die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen: Religion, humanistisches Gymnasium, Bildungsbürgertum (Stichwort: Neuer Biedermeier). Unser Vorname begleitet uns vom Armbändchen im Krankenhaus bis zum Grabstein. Das ist für die Eltern ganz schön viel Verantwortung. Kürzlich traf ich ein Neugeborenes, bei dessen Vornamen ich mir unsicher war. Ich hatte überlegt, wie man den Namen wohl aussprechen mag und für mich kamen zwei bis drei Varianten in Frage. Das sei nicht so wichtig, sagten seine Eltern. Aha.

Die Autorin der „Identity Crisis“ einigt sich nach fünf Seiten übrigens mit ihrem Mann auf Louis: Lew-ie, Lou-wee. Den hatten sie schon in der ersten Spalte in Betracht gezogen, zweifelten dann aber. Doch das Wichtigste, so ihr Fazit, ist nicht nur, was der Name (für die Eltern) bedeutet. Das Wichtigste ist, wie das Kind den Namen lebt und ausfüllt. Klein-Louis wird vermutlich also kein französischer Sonnengott. Und vielleicht wird Klein-Cato auch kein Senator. Vielleicht wird es ja auch eine Susanne. Und das Wichtigste ist überhaupt, dass es gesund ist.

 

 

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Ein Gedanke zu “Du bist, wie Du heißt. Oder?

  1. Dass es eben für schulische Noten, Bewerbungen etc absolut nicht egal ist, wie man heißt, beweisen ja Phänomene wie der Chantalismus. Dummerweise läuft das genau konträr zu den Hoffnungen der Eltern – es ist ja erwiesen, dass gerade Eltern aus den nicht mehr so neuen Bundesländern ihren Kindern englische/französisch klingenden Namen geben und gaben, um eine Sehnsucht nach der weiten Welt auszudrücken. Und bildungsferne Elternhäuser assoziieren Starnamen mit Ruhm und Geld, wünschen ihren Kindern dasselbe… .

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